Nr.1/05 6.1.2005

Eine von vielen und doch eine Besondere! Nachruf auf Elli Schmidt


 

 

Mit einer Gedenkfeier nehmen wir Abschied von Elli Schmidt

Samstag, 15. Januar 2005, um 15 Uhr im Clarenbachhaus

Clarenbachstraße in Rheinhausen-Friemersheim (gegenüber der Mühle)

Anfahrt mit dem Pkw: A40 aus Richtung Essen, Abfahrt DU-Homberg - an der Ausfahrt rechts Richtung Rheinhausen - Asterlagerstraße/Friedrich-Ebert-Straße - über die Gaterwegbrücke - nach der Brücke links in die Bismarckstraße - erste Ampel links in die Kruppstraße/Windmühlenstraße (dort Parkplatz suchen), links in die Clarenbachstraße.

Erreichbar auch mit der Bundesbahn bis Rheinhausen, Bahnhof (Friemersheim), von dort zwei Minuten Fußweg.

Am 19. Dezember 2004, zwei Monate nach ihrem 90. Geburtstag, starb Elli Schmidt. Nachdem schon längere Zeit ihre Kräfte schwanden, schlief sie friedlich ein.

Elli hinterlässt 5 Kinder, 10 Enkel und 15 Urenkel, und groß ist der Kreis derer, die sie wie eine Großfamilie ins Herz geschlossen hatte.

Elli war 20 Jahre Mitglied der MLPD und 1986 Wahlkreiskandidatin der Partei zur Bundestagswahl.

Sie war mit ihrem strahlenden Lachen, ihrem verschmitzten Gesicht und den vielen Lach- und Sorgenfalten eine kleine, energische Frau, von der eine ganz besondere Ausstrahlung und Herzlichkeit ausging, die jeden faszinierte, der sie näher kennen lernte.

Elli wird in uns auch weiterleben als mutige, aufrechte und kämpferische Frau, die nie einer Auseinandersetzung aus dem Weg ging und sich über jede Ungerechtigkeit auf der Welt zutiefst empörte. Dabei konnte sie auch manchmal sehr verständnislos sein, wenn sie auf mutlose und angepasste Meinungen stieß. Mit jedem suchte sie die politische Auseinandersetzung, ob er es nun wollte oder nicht, aber immer mit entwaffnender Herzlichkeit und Charme.

Bis zuletzt kümmerte sie sich um die Arbeitsbedingungen der Arzthelferinnen und Ärzte wie auch der Pflegerinnen im Heim oder der Schwestern im Krankenhaus. Auch noch unter der Dusche mit den Pflegern politisch zu diskutieren, wird dort unvergesslich sein. Sie unterstützte auch noch im Altersheim jede Aktivität gegen Verschlechterungen im Gesundheitswesen und sozialen Bereich und entwickelte besonderes Verständnis und Anteilnahme für die doppelt belasteten berufstätigen Frauen.

Elli wurde am 18. Oktober 1914 in Ziegenort, Kreis Uckermünde, einem Pommer'schen Dorf am Haff, geboren. Von 1931 bis 1934 lernte sie im Kaufhaus einer jüdischen Familie Verkäuferin und wurde nach der Lehre wegen ihrer rebellischen Art nicht übernommen. Als eines Tages die SA vor dem Kaufhaus stand und Kunden und Angestellte am Betreten hindern wollte und rassistische Parolen schmierte, begann Ellis Gegnerschaft zum Faschismus. Sie wurde mit der Zeit immer bewusster und politisierte ihr Leben.

Ihr damaliger Freund ließ sie sitzen, als er merkte, dass Elli schwanger war. Am 26.12. 1937 kam Ellis Sohn Klaus zur Welt. Damit begann für Elli eine harte Zeit als ledige Mutter. Nachdem sich herausstellte, dass Klaus behindert war, gelang es Elli, ihn vor der Aufnahme in ein Behindertenheim zu schützen, in berechtigter Vorahnung, wie die Nazis mit Behinderten verfuhren. In dieser Zeit lernte sie ihren späteren Mann Willi kennen, einen verwitweten Bergmann aus Duisburg mit zwei Kindern. Zu ihm schlug sich Elli 1939 unangekündigt und auf eigene Faust durch. Das war für ein Mädchen in der damaligen Zeit sehr ungewöhnlich.

Elli wurde im Lauf ihres Lebens eine viel beachtete und geachtete Frau und neue Politikerin: Sie wurde in einer Mieterinitiative aktiv, in der Siedlung war sie die "rote Elli".

Ellis Teilnahme an einem Sommercamp des Jugendverbandes REBELL 1984 - wurde zu einer wichtigen Erfahrung. "Nach all diesen Erlebnissen nahm ich mir vor: Wenn du nach Hause kommst, stellst du einen Aufnahmeantrag in die MLPD."

Mit 70 Jahren - 1984 organisierte sie sich in der MLPD und dachte nicht daran, sich aufs Altenteil zu begeben. Der Parteistand unter den Hochfelder Arkaden und die Stadtteilzeitung "Arkadenecho" - das war Ellis Revier.

Mit ihrem Buch "Eine von vielen" wurde Elli eine bundesweit und sogar international bekannte Streiterin für die Arbeiterbewegung, für die Frauenrechte, für die Zukunft der Jugend und für eine lebenswerte Zukunft ohne Ausbeutung und Unterdrückung - den echten Sozialismus. Noch im März letzten Jahres las Elli im Jugendzentrum "CHE" in Gelsenkirchen aus ihrem Buch, und die Kinder und Jugendlichen folgten mucksmäuschenstill und tief beeindruckt den Erzählungen dieser Frau, die ihre Urgroßmutter hätte sein können.

Elli schrieb am Schluss ihres Buches: "Die vielen Menschen, die ich im Laufe meines Lebens getroffen habe, die sich selbstlos gegen Ungerechtigkeiten und Unterdrückung einsetzten, beweisen auch mir immer wieder, dass es richtig und möglich ist, eine bessere und gerechtere Welt zu schaffen."




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