![]() Nr.23/06 8.6.2006 |
Moderner Sklavenhandel oder Zwangsprostitution und Prostitution (Teil IV)
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Engel/Gärtner-Engel, Neue Perspektiven für die Befreiung der Frau
- Eine Streitschrift ISBN 3-88021-284-8 337 Seiten, 16,50 EURO Zu bestellen bei:
,,Die Prostitution degradiert unter den Frauen nur die Unglücklichen, die ihr verfallen, und auch diese bei weitem nicht in dem Grad, wie gewöhnlich geglaubt wird. Dagegen erniedrigt sie den Charakter der gesamten Männerwelt." - ,,Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats", 1884, Marx/Engels, Werke, Bd. 21, S. 76 -Straßenstrich in Lyon Frankreich rf-foto
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In den ersten drei Teilen befasste (RF 20-21) sich unsere Korrespondentin
Ingrid von Staden mit den Mechanismen der Zwangsprostitution, dem
wirtschaftlichen Aspekt der Prostitution, einem historischen Rückblick und
dem Zusammenhang zur besonderen Unterdrückung der Masse der Frauen. Im
letzten Teil geht es um Prävention, Aufklärung und die Zukunft im
Kampf gegen Prostitution und Zwangsprostitution. Gesetzliche Regelungen Wie schon erwähnt, ist Prostitution in Deutschland gesetzlich ,,geregelt", also legalisiert. Unter den 72 Staaten, die sich für die Abschaffung der Prostitution stark machen, finden sich beispielsweise Italien, Luxemburg und Portugal. In Frankreich gilt die Prostitution als illegal. Dort steht zwar Zuhälterei unter Strafe, jedoch die Freier bleiben ungeschoren. Auf gemeinschaftlich organisierte Zuhälterei stehen 20 Jahre Freiheitsentzug, Zuhälterei mit Gewaltanwendung wird mit "lebenslänglich" bestraft. In Schweden dagegen werden seit Januar 1999 die Freier strafrechtlich belangt. Sie riskieren eine Geldstrafe und bis zu sechs Monate Haft. Die Arbeiter- und Frauenbewegung in Norwegen fordert ein solches Gesetz für das eigene Land. Auch in Deutschland ist die Zeit reif, über solche Forderungen zu beraten. Prävention Wichtig ist eine Präventionsarbeit. Vor allem müssen Frauen und Mädchen schon in den Herkunftsländern vor den ihnen drohenden Gefahren gewarnt werden, darüber hinaus muss auch die männliche Bevölkerung informiert werden. Ob Schmuggler, Zuhälter oder Freier - sie alle sind, wenn auch auf unterschiedliche Weise, an der Ausbeutung der Frauen beteiligt. Das Thema muss mehr öffentlich gemacht werden. Nicht in dem Sinne, dass Prostitution ein normaler Beruf ist, den es zu akzeptieren gilt, sondern es sich dafür einzusetzen gilt, die wirtschaftlichen Bedingungen so zu ändern, dass eine eigenständige Existenz möglich ist und dass Ausbeutung - gleich welcher Art - verwerflich ist. Es gilt, einen Denkprozess in Gang zu bringen. Ein Ansatzpunkt ist z.B. eine fortschrittliche Frühpädagogik im Kindergarten und in der Familie (hier spricht die Erzieherin in mir), wie z.B. die Sensibilisierung gegenüber des leider immer noch vorherrschenden Jungenbildes (,,Jungen weinen nicht, Jungen spielen nicht mit Puppen ...") oder des Frauenbildes (,,Mädchen hauen nicht, Mädchen müssen beschützt werden ..."). Die Zielsetzung sollte der selbstbewusste Mensch sein, der stark genug ist, für seine Rechte oder erkanntes Unrecht einzutreten. Da auch die hochgradig sexualisierte Werbung zumindest bei Kindern und Jugendlichen stark die Wahrnehmung und Einschätzung des eigenen oder des anderen Geschlechts prägt, wäre ein verantwortungsvoller und kritischer Umgang mit Medien schon im Kindergarten ein wichtiges Lernfeld und müsste in jedem Orientierungs- und Bildungsplan aufgeführt sein. Dringend wäre auch eine Aufklärung in der Schule, wo man Jugendlichen im Rahmen des Sexualkundeunterrichts über die grausame Wirklichkeit der Prostitution informieren und ihnen bewusst machen könnte, dass es sich bei Prostitution und insbesondere Zwangsprostitution um eine schwere Verletzung der Persönlichkeitsrechte handelt, dass der menschliche Körper ein unveräußerliches Gut ist und dass es die glückliche Prostituierte nicht gibt! Ausblick und Zukunftsarbeit Aber auch unter den heutigen gesellschaftlichen Verhältnissen muss man sich nicht mit den herrschenden Zuständen abfinden Monika Gärtner-Engel und Stefan Engel, Autoren der ,,Streitschrift für die Befreiung der Frau", stehen beide an führender Stelle der MLPD. Und es ist kein Zufall, dass die MLPD über eine Reihe wichtiger Forderungen und Losungen für eine kämpferische Frauenarbeit verfügt. Sie sind unter anderem in ihrem Parteiprogramm vom 1. Januar 2000 dargelegt (S.66): * Kampf gegen alle Formen der besonderen Ausbeutung und Unterdrückung von Frauen! * Bestrafung sexueller Ausbeutung und Gewalt! * Verbot und strafrechtliche Verfolgung von Gewalt- und Kinderpornografie! * Aktive Förderung von Frauen im gesellschaftlichen Leben! * Für die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Gleichstellung der Frauen! * Abschaffung der reaktionären Ehe- und Familiengesetze! Rechtliche und soziale Gleichstellung aller Formen von Lebensgemeinschaften! * Kampf für die Befreiung der Frau in der sozialistischen Gesellschaft! Das Thema nicht aussparen Machen wir uns nichts vor: Bis alle diese Forderungen erfüllt sind, ist es ein weiter Weg. Viel Kleinarbeit und Überzeugungsarbeit müssen bis dahin geleistet werden. Aber gerade Tabu-Themen wie ,,Prostitution" und ,,Zwangsprostitution" müssen deshalb auch in der Öffentlichkeit und in Diskussionen angesprochen und endlich ,,enttabuisiert" werden. Und wann, wenn nicht jetzt, wäre durch die Fußball-WM ein geeigneter Anlass hierzu gegeben? Es gibt keinen einzigen Grund, diese Themen auszusparen, aber hunderte, darüber zu sprechen, und diese Forderung gilt für Frauen und Männer gleichermaßen! Denn: Veränderungen sind nur im gemeinsamen Kampf von Männern und Frauen möglich. Und ohne Kampf um die Befreiung der Frau (von der Prostitution und vor allem der Zwangsprostitution) kann auch der gesamte Kampf zur Überwindung von Ausbeutung und Unterdrückung niemals erfolgreich sein! Nachbemerkung
Heute bekomme ich eine E-Mail von Susanne. Sie schreibt darin: ,,Wusstest
du, dass die Stadt Dortmund vor hatte, so genannte ,Verrichtungsboxen` - wie
Baucontainer - für die WM-Kundschaft aufzustellen? Die allgemeine
Empörung hat sie wieder davon abgebracht ..."
Ingrid von Staden (Gastbeitrag) Quellen:
August Bebel: Die Frau und der
Sozialismus |
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