![]() Nr.23/06 8.6.2006 |
Interview mit der Siegerin des Supermarathons der Frauen, Mira Kaizl, über ihre Eindrücke vom diesjährigen Rennsteiglauf
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Was ist dein Eindruck vom Rennsteiglauf.
Der Rennsteiglauf gilt als ,,Kultlauf" für alle Berg- und Landschaftsläufer. Er hat einen Breitensportcharakter, der sich allein schon dadurch auszeichnet, dass keine Antrittsgelder für internationale Stars gezahlt werden und es auch für die Sieger keine Geldpreise gibt. Der Organisator ist der ,,Rennsteiglaufverein" mit vielen ehrenamtlichen Helfern. Ich habe jetzt schon das dritte Mal teilgenommen: 2004 wurde ich dritte, 2005 Abbruch nach km 55 und 2006 wurde ich nun erste. Was bewegt einen Menschen, solch eine lange Distanz zu laufen? Wer beim Ultramarathon (72,7 Kilometer) teilnimmt, muss dafür einige Jahre Lauferfahrung haben und auf längeren Strecken trainiert haben. Dennoch stehen für diemeisten Rennsteigläufer das Landschaftserlebnis und das gemeinsame Ziel, die lange, bergige Strecke zu bezwingen, im Vordergrund. Schon am Vorabend bei der traditionellen ,,Kloß-Party" am Eisenacher Marktplatz herrscht bei Musik und gutem Essen Volksfeststimmung. Auch beim Start morgens um sechs Uhr auf dem Eisenacher Marktplatz ist das Gemeinschaftsgefühl spürbar: In der Schlange vor den Dixie-Toiletten trifft man auf manches von den vorigen Jahren vertraute Gesicht, und dann erklingt durch die Lautsprecherboxen die Dudel-Melodie des ,,Rennsteig-Liedes": ,,Diesen Weg auf den Höh'n bin ich oft gegangen, Vöglein sangen Lieder, bin ich weit in der Welt habe ich Verlangen Thüringer Wald nur nach dir!" Obwohl alle die Augen verdrehen, gehört auch das irgendwie dazu. Erwartungsfrohe Gesichter, wenn man nach den ersten Anstiegen auf einem breiten Waldweg ankommt und einer der Mitläufer sagt: ,,Jetzt sind wir auf dem Rennsteig." Die Frühlingssonne glitzert durch das Laub der hohen Bäume, immer wieder stehen Wanderer und Zuschauer am Wegesrand und rufen den Läufern Aufmunterndes zu. Leute aus allen Teilen Deutschlands sind vertreten und obwohl die Veranstalter keine internationalen ,,Spitzenläufer" einkaufen, finden auch immer wieder Teilnehmer aus anderen Ländern von Polen bis Irland ihren Weg auf den Rennsteig. Wichtig ist, sich die Laune trotz der großen Anstrengung nicht verderben zu lassen. Die Verpflegungsstationen werden von ehrenamtlichen Helfern aus den Vereinen in der Umgebung betreut - eine Spezialität beim Ultramarathon ist der Haferschleim, der in verschiedenen geschmacklichen Varianten gereicht wird, und natürlich der berühmte Schluck Köstritzer-Bier bei km 68. Beim Zieleinlauf in Schmiedefeld muss man zahlreiche Wanderer und Nordic-Walker überholen, die einen mit Zurufen und La-Ola-Wellen empfangen. Im Ziel werden die Läufer dann von einem freundlichen Stadionsprecher begrüßt - und können in dem eigens aufgestellten Festzelt noch einige Stunden weiterfeiern. Vielen Dank für dieses Gespräch und viel Erfolg in deinen nächsten Rennen. |
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